Kellerlüftung direkt berechnen
Miss Temperatur und relative Feuchte innen und außen möglichst zeitgleich. Eine optionale Oberflächentemperatur an der kältesten Wand oder Leitung verbessert die Kondensationsprüfung.
Innen- und Außenluft vergleichen
Trage zeitgleich gemessene Werte ein. Die Berechnung nutzt eine Magnus-Näherung.
Näherungswert, keine Garantie gegen Kondensation. Berücksichtige Messabweichungen und Wetteränderungen.
Der Rechner liefert eine Momentaufnahme. Sensorabweichung, Wetteränderung, Wind und feuchte Bauteile können das Ergebnis verändern. Bei einem kleinen Unterschied erneut messen, statt eine lange Lüftungsphase zu starten.
Warum relative Luftfeuchtigkeit allein täuscht
Relative Feuchte beschreibt, wie nah Luft bei ihrer aktuellen Temperatur an der Sättigung liegt. Warme Luft kann deutlich mehr Wasserdampf enthalten als kalte. Deshalb kann Außenluft mit scheinbar niedrigeren 60 % rF beim Abkühlen im Keller problematischer sein als Kellerluft mit 70 % rF.
Für die Lüftungsentscheidung helfen zwei berechnete Größen:
- Absolute Feuchte in g/m³: geschätzte Wassermasse pro Luftvolumen; außen sollte sie niedriger als innen sein, wenn Lüften trocknen soll.
- Taupunkt in °C: Temperatur, bei der die jeweilige Luft rechnerisch Sättigung erreicht; trifft Luft auf eine kältere Oberfläche, steigt das Kondensationsrisiko.
Schritt für Schritt richtig lüften
- Innen messen: Kellerluft nicht direkt am Fenster oder Entfeuchter erfassen.
- Außen messen: Sensor im Schatten und vor direktem Regen geschützt angleichen lassen.
- Kälteste Stelle prüfen: Oberflächentemperatur an kalter Wand, Rohr oder Boden erfassen, wenn möglich.
- Werte vergleichen: Außenluft muss absolut trockener sein; Außentaupunkt und kalte Oberfläche zusätzlich vergleichen.
- Kurz querlüften: Fenster vollständig öffnen, wenn die Messung dafür spricht; nicht dauerhaft kippen.
- Nachmessen: Fenster schließen und prüfen, wie sich die Werte nach Angleichung entwickeln.
Entscheidungsmatrix
| Messergebnis | Einordnung | Handlung |
|---|---|---|
| Außen absolut trockener, Außentaupunkt unter kalten Oberflächen | Lüften kann Feuchte abführen | kurz lüften und Wirkung nachmessen |
| Außen absolut feuchter | Lüften trägt zusätzliches Wasser ein | Fenster geschlossen halten |
| Werte nahezu gleich | Vorteil kann innerhalb der Sensortoleranz liegen | später erneut messen |
| Außentaupunkt erreicht kalte Oberfläche | lokale Kondensation möglich | nicht allein wegen niedriger Außen-rF lüften |
| Feuchte bleibt trotz günstiger Lüftung hoch | Bauteile oder Quelle liefern Feuchte nach | Ursache prüfen, gegebenenfalls fachlich klären |
Warum „früh morgens oder spät abends“ nicht reicht
Außenluft ist zu diesen Zeiten oft kühler, aber nicht automatisch absolut trockener. Nach einer warmen, schwülen Nacht kann sie weiterhin viel Wasser enthalten. Umgekehrt kann kalte Luft trotz hoher relativer Feuchte weniger Wasser pro Kubikmeter tragen. Miss deshalb immer beide Temperaturen und beide rF-Werte.
Auch Regen oder Nebel sind keine eigenständige Rechenregel. Sie sind ein Anlass zur Vorsicht, ersetzen aber nicht den Vergleich der tatsächlich gemessenen Luftzustände.
Beispiel: Warme Außenluft, kühler Keller
Ein Keller mit 15 °C und 65 % rF enthält grob 8 g/m³ Wasser. Außenluft mit 25 °C und 60 % rF liegt grob bei 14 g/m³. Obwohl außen die relative Prozentzahl niedriger ist, würde diese Luft beim Abkühlen deutlich feuchter wirken und kann an kalten Flächen kondensieren. Nutze für deine Werte den Rechner statt dieses Beispiels.
Was tun, wenn Lüften nicht möglich ist?
- Feuchtequellen wie Wäsche, offene Behälter oder nasse Gegenstände reduzieren.
- Regale und Kartons von kalten Wänden abrücken und Luftwege schaffen.
- Raum und Messpunkte über mehrere Tage beobachten.
- Bei geeigneter Temperatur einen Luftentfeuchter mit Hygrostat prüfen und korrekt aufstellen .
- Bei kaltem Raum die Winter- und Technikentscheidung anwenden.
- Bei Wasser durch Wand oder Boden, Ausblühungen oder wiederkehrendem Schimmel Ursache fachlich prüfen lassen.

- Mehrere Sensoren erlauben zeitnahe Innen-/Außenvergleiche
- Messverläufe helfen, günstige Lüftungsfenster zu erkennen
- Außensensor geschützt und innerhalb des freigegebenen Messbereichs einsetzen
Taupunktsteuerung automatisieren
Eine taupunktgeführte Lüftung vergleicht Innen- und Außenbedingungen und öffnet beziehungsweise startet Lüfter nur bei geeigneter Differenz. Vor Einbau sind Sensorposition, Rückströmung, Brandschutz, Radon, Gebäudeabdichtung und elektrische Ausführung zu klären. Eine Automatik behebt keine Leckage und keine aufsteigende Feuchte.
Abgrenzung zur Gerätegröße
Dieser Guide entscheidet über Lüften, nicht über die Leistung eines Luftentfeuchters. Für Volumen, Temperatur, Raumverbund und Feuchtelast nutzt du die Keller-Größenmatrix für 10 bis 50 m² . Läuft bereits ein Gerät ohne erkennbare Wirkung, hilft die 9-Ursachen-Diagnose .
Häufige Fragen
Wann sollte man den Keller im Sommer lüften?
Wenn die zeitgleich gemessene Außenluft absolut trockener als die Kellerluft ist und ihr Taupunkt ausreichend unter den kalten Kelleroberflächen liegt. Eine feste Uhrzeit reicht nicht.
Ist morgens immer die beste Zeit?
Nein. Nach einer schwülen Nacht kann Morgenluft weiterhin viel Wasser enthalten. Morgens ist nur dann günstig, wenn der Messvergleich es bestätigt.
Reichen zwei normale Hygrometer?
Sie liefern Temperatur und relative Feuchte für die Berechnung. Vergleiche ihre Abweichung vorher nebeneinander und schütze den Außensensor vor Sonne und Regen.
Soll das Kellerfenster dauerhaft gekippt bleiben?
Im Sommer nicht ohne taupunktgeführte Steuerung. Dauerhaftes Kippen kann über viele Stunden feuchtere Außenluft eintragen und erschwert eine kontrollierte Bewertung.
Quellen und Rechenmethode
- Umweltbundesamt: Wie lüfte ich richtig? - Tipps und Tricks zur Schimmelvermeidung , abgerufen am 20. August 2026.
- Alduchov, O. A.; Eskridge, R. E. (1996): Improved Magnus Form Approximation of Saturation Vapor Pressure . Grundlage der verwendeten Magnus-Näherung.
- Der Rechner verwendet eine Näherungsformel und ersetzt keine bauphysikalische Beurteilung. Messgeräte besitzen Toleranzen; bei knappen Differenzen erneut messen.
