Dies ist Teil unseres Haupt-Guides Raumklima & Gesundheit: Wie Luftfeuchtigkeit deine Gesundheit stärkt
Warum dein Hygrometer wichtiger ist als dein Staubsauger
Wenn die Nase läuft, die Augen jucken oder der Hustenreiz nachts nicht aufhört, greifen viele Allergiker zuerst zum Staubsauger oder zu teuren Encasings (Spezialbezügen für Matratzen). Das ist richtig und wichtig – aber es bekämpft oft nur die Symptome, nicht die Ursache.
Der unsichtbare Feind sitzt in der Luft: Wasser. Hausstaubmilben trinken nicht wie wir Menschen. Sie nehmen Feuchtigkeit direkt über ihre Haut aus der Umgebungsluft auf. Auch Schimmelpilze benötigen für ihr Wachstum vor allem eines: Feuchtigkeit.
Die einfache wissenschaftliche Wahrheit lautet:
- Ab 60 % r.F.: Das “Paradies” für Milben und Schimmel. Maximale Vermehrung.
- Unter 50 % r.F.: Milben vertrocknen langsam, die Population bricht zusammen. Schimmelwachstum stoppt.
Mit einem einfachen Hygrometer kannst du überprüfen, ob dein Zuhause eine “Milbenzuchtstation” oder eine Schutzzone ist. Ein Hygrometer ist für jeden Allergiker eine Pflichtanschaffung.

- Die Basis für jeden Allergiker: Präzise Kontrolle der Luftfeuchtigkeit
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Hausstaubmilben: Der Feind in deinem Bett
Hausstaubmilben sind mikroskopisch kleine Spinnentiere. Das eigentliche Allergen ist nicht die Milbe selbst, sondern ihr Kot, der sich mit Staub verbindet. Wenn dieser zerfällt, wird er eingeatmet und löst die typische Immunreaktion aus (Niesen, Augenjucken, Asthma).
Die 50-Prozent-Grenze
Studien haben gezeigt, dass Hausstaubmilben in trockeneren Klimazonen (wie im Hochgebirge) kaum vorkommen. Warum? Weil sie dort austrocknen.
In gut gedämmten modernen Wohnungen oder im feuchten Sommer liegt die relative Luftfeuchtigkeit oft dauerhaft bei 60–70 %. Hier explodiert die Population geradezu. Wenn du es schaffst, die Luftfeuchtigkeit dauerhaft (d.h. über mehrere Wochen) auf unter 50 % zu senken, entziehst du den Tieren die Lebensgrundlage. Sie sterben ab und vermehren sich nicht mehr.
Wichtig: Einmaliges “Stoßlüften” reicht oft nicht aus, um Milbenpopulationen zu dezimieren, da Textilien (Matratzen, Sofas, Teppiche) die Feuchtigkeit speichern und langsam wieder abgeben (Pufferwirkung). Hier muss langfristig “entfeuchtet” werden.
Schimmelsporen: Das zweite große Risiko
Neben Milben ist Schimmel der häufigste Auslöser für atemwegsbedingte Allergien in Innenräumen. Schimmelsporen fliegen unsichtbar durch die Luft und können Asthmaanfälle auslösen.
Das Tückische: Du musst den Schimmel gar nicht sehen, damit er dich krank macht. Versteckter Schimmel hinter Schränken, unter Tapeten oder Fußleisten entsteht oft dort, wo “kalte Wand” auf “feuchte Luft” trifft.
Auch hier gilt die einfache Formel: Keine Feuchtigkeit = Kein Schimmel. Hältst du die Feuchtigkeit unter 60%, ist Schimmelwachstum physikalisch nahezu unmöglich.
Dein 3-Schritte-Plan für ein allergiefreies Raumklima
Besonders im Schlafzimmer, wo wir ca. 8 Stunden pro Nacht verbringen und viel Feuchtigkeit ausatmen, ist Handlungsbedarf am größten.
1. Messen und Verstehen
Stelle in jedem Schlafraum ein Hygrometer auf. Beobachte die Werte über ein paar Tage:
- Morgens nach dem Aufstehen (Peak-Wert)
- Abends vor dem Schlafen
- Zielwert für Allergiker: 40–50 % r.F. (etwas trockener als die sonst oft empfohlenen 40-60%).
2. Gezieltes Entfeuchten
Wenn du dauerhaft über 55–60% liegst, solltest du eingreifen.
- Sommer: Hier hilft Lüften oft nicht, da die Außenluft schwül ist. Ein elektrischer Luftentfeuchter ist hier die effektivste Waffe.
- Winter: Mehrmals täglich kräftig Stoßlüften, da die kalte Außenluft sehr trocken wird, wenn sie sich im Raum erwärmt.
Unsere Empfehlung für das Schlafzimmer: Achte auf einen “Silent Mode” oder Nachtmodus. Kompressor-Geräte sind am effizientesten, aber oft hörbar (>35dB). Für sehr kleine Räume oder das Kinderzimmer kann auch ein Peltier-Gerät helfen, für größere Probleme ist ein Kompressor-Gerät Pflicht.


3. Die richtige “Betthygiene”
Ein trockenes Raumklima unterstützt deine anderen Maßnahmen massiv:
- Bett nicht sofort machen: Schlag die Bettdecke morgens weit zurück, damit die Feuchtigkeit der Nacht aus Matratze und Decke entweichen kann. Mache das Bett erst, wenn alles “ausgedampft” ist.
- Waschen: Wasche Bettwäsche idealerweise bei 60°C.
- Encasings: Nutze milbendichte Bezüge für Matratze, Decke und Kissen.
Luftreiniger vs. Luftentfeuchter: Was brauche ich?
Viele Allergiker fragen uns: Soll ich die Luft reinigen oder trocknen? Die Antwort hängt von deinem Problem ab.
| Gerät | Funktion | Wirkung auf Allergie |
|---|---|---|
| Luftreiniger (mit HEPA) | Filtert Partikel (Milbenkot, Pollen, Sporen) mechanisch aus der Luft. | Lindert akute Symptome, indem er Allergene aus der Atemluft entfernt. Ändert nichts an der Population der Milben. |
| Luftentfeuchter | Senkt die relative Luftfeuchtigkeit (Wassergehalt). | Bekämpft die Ursache. Verhindert Vermehrung von Milben und Schimmelwachstum. Die langfristige Lösung. |
Fazit: Ideal ist eine Kombination. Wer sich entscheiden muss: Wenn du ein Feuchtigkeitsproblem hast (>60%), hat der Entfeuchter Priorität, um Schimmel zu verhindern. Wenn die Werte okay sind (<50%), aber du trotzdem leidest (z.B. durch von außen eindringende Pollen), greif zum Luftreiniger.
Fragen & Antworten (FAQ)
Ist zu trockene Luft nicht auch ungesund? Ja, Werte dauerhaft unter 35–40 % können die Schleimhäute reizen (siehe unser Artikel zu Erkältungen & Heizungsluft). Für Milbenallergiker ist der Bereich 40–50 % der süße Punkt: Trocken genug, damit Milben absterben, aber noch feucht genug für gesunde Atemwege.
Tötet Lüften die Milben ab? Lüften allein tötet keine Milben direkt, aber es ist im Winter das einfachste Mittel, um die Luftfeuchtigkeit zu senken und ihnen so die Lebensgrundlage zu entziehen. Im Sommer kann Lüften kontraproduktiv sein, wenn es schwülwarm ist – hier hilft nur technische Entfeuchtung.
Helfen Pflanzen im Schlafzimmer gegen Allergien? Vorsicht ist geboten. Pflanzen verdunsten Gießwasser und erhöhen die Luftfeuchtigkeit wieder. Zudem kann sich auf der Blumenerde Schimmel bilden. Für starke Allergiker sind Pflanzen im Schlafzimmer eher nicht zu empfehlen oder sollten auf Hydrokultur umgestellt werden.
