Dies ist Teil unseres Haupt-Guides Anwendungsgebiete für Luftentfeuchter
Warum ist die Bautrocknung so wichtig?
Beim Bau eines Einfamilienhauses werden enorme Mengen Wasser verarbeitet – durch Beton, Estrich, Putz und Mörtel. Experten schätzen, dass in einem durchschnittlichen Neubau etwa 1.500 bis 2.000 Liter überschüssiges Wasser stecken, die wieder raus müssen.
Früher lies man den Rohbau “einen Winter ausfrieren”. Heute sind Bauzeiten straff getaktet, und moderne Dämmung (WDVS) verhindert, dass Feuchtigkeit einfach durch die Wände diffundiert. Ohne technische Unterstützung dauert die natürliche Trocknung oft 6–12 Monate. Das bedeutet:
- Verzögerter Einzug: Bodenbeläge (Parkett, Laminat) dürfen erst bei Erreichen der “Belegreife” verlegt werden.
- Schimmelgefahr: Wenn Tapeziert und Möbliert wird, bevor die Restfeuchte raus ist, schimmelt es oft schon im ersten Jahr hinter den Schränken.
- Heizkosten: Ein feuchter Stein dämmt schlechter. Du heizt im ersten Jahr buchstäblich das Wasser aus der Wand.
Estrich trocknen: Die kritische Phase
Der Estrich ist der Zeitplan-Killer Nummer 1. Er muss “belegreif” sein, bevor der Bodenleger anfängt.
Die Phasen der Estrichtrocknung:
- Ruhephase (Woche 1): Der Estrich bindet ab. Betreten verboten, keine Zugluft, keine künstliche Trocknung!
- Trocknungsphase (ab Woche 2/3): Jetzt muss die Feuchtigkeit aktiv raus. Lüften allein reicht oft nicht, besonders im Winter oder bei hoher Außenfeuchte.
- Funktionsheizen (bei Fußbodenheizung): Die Heizung wird stufenweise hochgefahren, um Spannungen zu lösen und Feuchte zu treiben. Hier unterstützen Bautrockner massiv.
Wichtig: Die Belegreife wird per CM-Messung (Calciumcarbid-Methode) vom Bodenleger bestimmt. Verlasse dich nie auf “Fühlen” oder einfache Handmessgeräte!
Kaufen oder Mieten? Die Kostenrechnung
Viele Bauherren mieten Bautrockner beim örtlichen Baustoffhandel. Das kostet oft 10–20 € pro Tag und Gerät. Bei einer typischen Trocknungszeit von 6 Wochen (42 Tage) und 2 Geräten (EG/OG) läppert sich das:
Kostenvergleich (Beispielrechnung für 6 Wochen/2 Geräte):
| Modell | Miete (ca.) | Kaufpreis (Neu) | Wiederverkauf (Gebraucht)* | Effektive Kosten |
|---|---|---|---|---|
| Miete (lokal) | ~1.200 € | - | - | 1.200 € |
| Kauf (Mittelklasse) | - | ~900 € (2x 450€) | ~500 € | 400 € |
| Kauf (Profi) | - | ~1.400 € (2x 700€) | ~900 € | 500 € |
*Basierend auf typischen Kleinanzeigen-Preisen für gepflegte Markengeräte.
Fazit: Ab einer Einsatzdauer von 3–4 Wochen ist der Kauf fast immer günstiger, besonders wenn man den hohen Wiederverkaufswert von Bautrocknern nutzt. Zudem hast du keinen Zeitdruck bei der Rückgabe.
Empfohlene Bautrockner für Bauherren
Im Gegensatz zu Wohnraum-Entfeuchtern sind Bautrockner auf Robustheit, hohe Leistung und Dauerlauf ausgelegt. Design und Lautstärke sind zweitrangig.
1. Der Preis-Leistungs-Sieger (Mittelklasse)
Für den klassischen Häuslebauer ist der Güde GBT 50.1 oder ähnliche Modelle oft ausreichend. Sie schaffen bis zu 50L/Tag und sind robust gebaut.

- Entfeuchtungsleistung: bis zu 50 L in 24h
- Auto-Stopp bei vollem Tank (7L) oder Schlauchanschluss
- Robuste Räder für den Einsatz auf der Baustelle
2. Das Profi-Gerät (Oberklasse)
Wer auf Nummer sicher gehen will oder sehr große Flächen (Keller + EG) hat, greift zum Comedes BTR 50. Dieses Gerät findet man oft auch bei professionellen Vermietern.

- Extrem robustes Metallgehäuse (stapelbar)
- Hohe Luftumwälzung für schnelle Trocknung
- Zuverlässiger Dauerbetrieb für Wochen
3. Die günstige Alternative (Einsteiger)
Für kleinere Renovierungen oder einzelne Räume reicht oft ein semiprofessionelles Gerät wie der Atika ALE 600.

Anleitung: So trocknest du richtig
Damit der Bautrockner effizient arbeitet, beachte diese Regeln:
- Raum abdichten: Fenster und Türen müssen geschlossen bleiben. Du willst nicht die Umgebungsluft trocknen, sondern die Feuchtigkeit aus dem Material ziehen.
- Mittelposition: Stelle das Gerät möglichst mittig in den Raum für gleichmäßige Zirkulation.
- Ventilatoren nutzen: Bautrockner trocknen die Luft. Um die Feuchte aus der Wand zu bekommen, hilft Luftbewegung. Ein zusätzlicher Bauventilator beschleunigt den Prozess um bis zu 30%, da er die Grenzschicht an der Wand aufbricht.
- Temperatur beachten: Bautrockner arbeiten (wie alle Kompressorgeräte) bei Wärme besser. Eine Baustellenheizung, die den Raum auf mind. 15–20°C bringt, ist im Winter Pflicht. Kalte Luft nimmt kaum Feuchtigkeit auf.
- Dauerlauf & Schlauch: Nutze den Schlauchanschluss und leite das Wasser in einen großen Kübel oder direkt in den Abfluss. Der interne Tank ist auf dem Bau in wenigen Stunden voll.
FAQ für Bauherren
Wie viele Bautrockner brauche ich? Faustformel: Ein Gerät pro Etage (ca. 80-100m²). Bei sehr verwinkelten Räumen oder extremem Zeitdruck besser ein Gerät pro 50m² oder zusätzliche Ventilatoren einsetzen.
Kann ich auch normale Luftentfeuchter nehmen? Jein. Haushaltsgeräte (wie Comfee oder Meaco) sind für fertige Wohnräume optimiert (leise, schick). Auf der staubigen Baustelle verschleißen sie schnell, und ihre Leistung reicht oft nicht für nassen Estrich. Für die Restfeuchte nach Einzug sind sie super, für den Rohbau eher nicht.
Stromkosten – wer zahlt? Der Bauherr. Ein Bautrockner zieht ca. 600–900 Watt. Bei 24h Betrieb sind das ca. 5–7 € pro Tag an Strom. Klingt viel, ist aber günstiger als Miete oder Folgeschäden. Tipp: Dokumentiere den Stromverbrauch für die Steuer (bei Vermietung/Arbeitszimmer) oder ggf. für die Versicherung bei einem Wasserschaden. Mehr Informationen in unserem Ratgeber zum Stromverbrauch.
Fazit
Die technische Bautrocknung ist keine Option, sondern bei modernen Bauweisen Pflicht. Ob du mietest oder kaufst, hängt von der Dauer ab – meist ist der Kauf eines Comedes BTR 50 oder Güde GBT 50.1 wirtschaftlicher. Siehe dazu unseren Vergleich Bautrockner vs. normale Entfeuchter. Denke daran: Jeder Liter Wasser, den du jetzt herausholst, spart später Heizkosten und Nerven.
